Jun 02 2010
Welches Seil verwende ich zu welchem Zweck?
Kletterseile müssen hohen Anforderungen gerecht werden, denn mit ihnen steht und fällt die Sicherheit auf Touren und in der Wand. Neben einer guten Handhabung, wenig Gewicht und hoher Verschleißfestigkeit sind vor allem die Reißfestigkeit bei Stürzen sowie die Fangstoßkraft ausschlaggebend.
Je mehr Normalstürze – ein standardisierter Extremsturz – ein Seil aushalten kann, desto stabiler ist es. Unter dynamischer Seildehnung versteht man den Effekt, dass ein Kletterseil beim Sturz nachgibt bzw. einen Teil der Fallenergie aufnimmt. Dies ermöglicht, dass die Wucht des Sturzes im Seil abgefedert wird und so größere Verletzungen vermieden werden können. Wichtig ist es jedoch, dass die so entstehende Fangstoßdehnung 30% nicht überschreitet, da sonst gerade Stürze aus geringen Höhen zu schweren Verletzungen führen können.
Wichtig für den Einsatz auf Hoch- und Gletschertouren ist zudem, dass das Seil imprägniert ist und somit weniger Wasser und damit Gewicht aufnimmt. Außerdem schützt die Imprägnierung das Seil vor Schmutz und kleinen Staubpartikeln.
Je nach Einsatzbereich unterscheidet man zwischen verschiedenen Seiltypen:
Einfachseil:
Das Einfachseil wird vor allem beim Sportklettern verwendet, denn es kann den Sturz einer Person halten. Es wird in der Halle oder in Klettergärten als Einzelstrang verwendet und ist in der Handhabung dementsprechend einfach. Je dicker das Seil ist – der Standarddurchmesser liegt zwischen 9,5 bis 11,0 mm – desto reisfester ist es normalerweise. Allerdings kann durch die Reibung bei großen Durchmessern ein starker Seilzug im Vorstieg entstehen.
Halbseil:
Halbseile sind dünner (7,8-9,0 mm) als Einfachseile und auch dementsprechend leichter, haben aber nicht die gleiche Stabilität. Aus diesem Grund werden Halbseile beim Aufstieg immer im Doppelstrang (d.h. zwei Halbseile zusammen) benützt.
Aus dem Doppelstrang ergibt sich auch gleich der große Vorteil des Halbseils: Beim kontrollierten abseilen verdoppelt sich die Abseillänge im vergleich zum Einfachseil. Halbseile werden deshalb vor allem beim Alpinklettern, Gletschertouren und Hochtouren verwendet.
In Punkto Sicherheit überzeugen Halbseile durch die Erhöhung der Redundanz, da an scharfen Kanten oder bei Steinschlag meist nur ein Strang beschädigt wird.
Zwillingsseil:
Zwillingsseile sind noch etwas dünner (7-8mm) und leichter als Halbseile, eignen sich aber sowohl im Vor- als auch im Nachstieg nur zur Verwendung im Doppelstrang, da ein einzelner Strang nicht genügend Sicherheit bietet. Aus diesem Grund werden Zwillingsseile nur noch in ganz speziellen Einsatzbereichen (lange Routen im Alpinklettern) verwendet.

